Ein Gastbeitrag von Sophia Maaß über die Liebe

Ich freue mich den Gastbeitrag von Sophia Maaß veröffentlichen zu dürfen. Sie ergreift ein flammenes Plädoyer dafür, dass sich zwischen das Liebesglück zweier, und insbesondere mehrere Menschen niemand stellen dürfen. Es stehe niemandem zu ein Urteil über die Liebe anderer zu fällen. In der Gesellschaft meinen schon genügend Menschen, die Weisheit mit Löffeln gegessen zu haben, und sich in das Leben anderer einzumischen. Es folgt Sophia Maaß' Beitrag:

Ach ja, die Liebe. Was soll man zu diesem Thema denn noch sagen? Als hätten Dichter, Musiker, Barden, Philosophen, Psychologen und letztlich auch Naturwissenschaftler nicht schon seit Jahrtausenden versucht, ihr Wesen zu begreifen. Vielleicht ist dies der Grund, dass zu diesem Thema so viele gegensätzliche Meinungen existieren. Die einen reden von Seelenverwandtschaft und innerer Verbundenheit, während die anderen von Fortpflanzungstrieb, Arterhalt und Pheromonen sprechen. Meiner Meinung nach liegt auch genau hier der Kern des Problems:

Jeder glaubt, mit seiner Meinung die Wahrheit
von den Dingen dieser Welt erkannt zu haben.

In diesem Fall: Die Wahrheit über die Liebe. Ich könnte jetzt anfangen, die aktuellen Formen der Partnerschaft oder eben Nicht-Partnerschaft mit all ihren Vor- und Nachteilen aufzulisten. Aber ich lasse es jetzt. Denn genau das ist es, was auch alle anderen sein lassen sollten! Die eigenen Vorlieben sollten nur dann etwas zählen, wenn man Aussagen darüber trifft, wie es einen persönlich tangiert. Wenn sich jemand entscheidet, polyamor oder monogam, hetero- oder homosexuell, cis oder trans zu sein, sollte es in der Gesellschaft keinen Unterschied machen.

In der Liebe zählt das Zusammensein und das gegenseitige Vertrauen.

Klingt jetzt erstmal nach überzogener Romantik, ist aber Realität. Solange man mit seinem Verhalten kein anderes Lebewesen in seiner Selbstbestimmtheit einschränkt, sollte jede Form der Partnerschaft, die einen und den Partner/die Partner glücklich macht, erlaubt sein. Wenn man dies als allgemeinen Grundsatz betrachtet, könnte alles so einfach sein, oder?

Ist es aber nicht, die Menschen machen es sich schwieriger, als es ist. Es gibt Menschen, die eine Meinung haben und es gibt Menschen, die meinen, eine Meinung für und über alle anderen zu haben. Und erklären das auch noch für Absolut.

Homosexualität ist immer noch ein schwieriges Thema, queere Menschen, polyamore Menschen und trans-Menschen haben sich immer noch einiges von der Welt anzuhören, wenn sie sich nicht so verhalten, wie die Urgroßeltern, die katholische Kirche und Disney-Filme es einem gelehrt haben. Mann und Frau heiraten, bauen ein Haus, kriegen Kinder und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute monogam.

Das Problem? Die eigene Meinung geht über die Einstellung anderer und verteufelt diese nur auf Grundlage anerzogener Normen und Verhaltensweisen.

Andersherum geschieht es allerdings auch immer öfter. Dumm ist, wer sich ewig bindet. Willst du denn in deinem Leben nicht noch was erleben? Reisen? Neue Leute kennenlernen? Dir die „Hörner abstoßen“? Monogame Menschen müssen sich heutzutage auch immer öfter rechtfertigen, warum sie sich mit der Wahl eines Partners angeblich in ihrer Freiheit einschränken.

Das Problem? Andere Menschen denken, die einzige Wahrheit im Leben gefunden zu haben durch die Weltgeschichte spazieren zu müssen beseelt mit dem Wunsch, auch andere zu erleuchten.

Lassen wir doch anderen ihre selbstbestimmte Freiheit auf ihre Art zu lieben

Fakt ist: Wir sind alle Menschen. Ganz egal, ob mono-, di-, oligo-, poly-, Cis, Trans, Moll, die Queen, der Papst oder wer auch immer. Wir sind alle Menschen. Und niemand sollte den anderen in seiner Selbstbestimmtheit einschränken. Bei einer Beziehung egal in welcher Form geht es darum, dass es zusammenpasst. Bloß, weil man sich als monogamer Mensch nicht damit identifizieren kann, polyamor zu sein, heißt es noch lange nicht, dass das etwas Schlechtes ist. Und das gilt umgekehrt ganz genauso.

Wenn der Mensch einfach mal aufhören würde, andere ständig zu verurteilen, dann wäre wirklich jedem geholfen. Jede Form der Liebe ist gut, wenn sie auf gegenseitigem Einverständnis und Vertrauen beruht. Ich meine dies als allgemeingültiges Gesetz. Das ist das Prinzip hinter Liebe. Und wenn zwei Menschen, oder eben auch mehr Menschen, glücklich miteinander sind, sollte kein Außenstehender sein Urteil darüber erheben. Einfach mal seinen Senf nicht dazugeben.

Liebe kann nur funktionieren, wenn die an ihr beteiligten Personen auch zusammenpassen. Ich selbst habe zwei Monate Praktika mit meinem Freund gemeinsam hinter mir, einen Monat bei meiner, den anderen bei seiner Familie. Für viele andere eine Horrorvorstellung.

„War das nicht zu anstrengend?“, „Habt ihr euch nicht gestritten? Alter, ich könnte sowas ja nicht!“ „Könnt ihr so lange aufeinander hocken?“ „Meinst du nicht, dass das ein bisschen zu viel war?“ Nein, war es nicht. Nein, haben wir nicht. Ja, können wir. Nein, meine ich nicht. Weil mein Freund und ich (ja, ich zum Beispiel bin hetero) zwei Menschen sind, die entschieden haben zusammenzupassen. Fertig. Kein Zaubertrank, kein Geheimnis, wie man eine Beziehung am Laufen hält, kein Wunder. Wir passen zusammen und Schluss! Und wenn ein, zwei, drei, vier, fünf oder mehr Menschen genau dies in der Liebe gefunden haben, dann ist alles in Ordnung.

Plädoyer für selbstbestimmte Liebe auf Einverständnis beruhend

Jedwede Form der Liebe sollte alle an ihr beteiligten glücklich machen, auf gegenseitigem Einverständnis beruhen und niemanden in seiner Selbstbestimmtheit einschränken. Ferner hat, wenn diese Dinge vorliegen, kein Außenstehender über die Form oder die Rahmenbedingungen, in der sie geschehen, zu urteilen. Klingt wie Utopie? Vielleicht.

Es gibt Paare, die lieben es, sich zu streiten und zu versöhnen. Es gibt Paare wie meinen Freund und mich, die sich nie streiten. Ungelogen, nie. Zu sagen, das eine oder das andere sei gesünder oder besser oder schlechter, jaja, und wenn du erstmal 20 Jahre mit ihm verheiratet bist, dann sieht das mit dem Streiten auch ganz anders aus, unterliegt keinem Außenstehendem. Einfach mal die anderen in Ruhe lassen, wie wäre es damit? Ich wiederhole mich vielleicht, aber jedwede! Form von Meinungsäußerung ist dann schlecht, wenn sie pauschalisiert. Niemand sollte sich darüber auszulassen, wer wen wie liebt und warum. Und das sollte ein genereller Grundsatz unserer Gesellschaft sein. Zum Abschluss daher einer der passendsten Aussagen zur Liebe, meiner Meinung nach:

„Aimer, ce n’est pas se regarder l’un autre, c’est regarder ensemble dans la même direction“

Antoine de Saint-Exupéry

Liebe heißt also nicht, sich anzuschauen, sondern gemeinsam in die gleiche Richtung zu blicken. Saint-Exupéry drückte damit in nur einem Satz  aus, was ich in knapp 1000 Wörtern versuche zu beschreiben.

Wenn es zusammenpasst, niemanden einschränkt und jeden in der Beziehung glücklich macht, dann ist alles in Ordnung und niemand hat als Außenstehender das Recht, darüber zu urteilen.

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