Sinnsuche prägt das Arbeitsleben, denn Arbeit muss doch mehr als nur arbeiten sein. Muss Arbeit wirklich mehr sein? Darf ich nicht einfach einen JOB haben, bei dem ich eine Funktion erfülle, aber nach Feierabend damit abschließe? Und somit vielleicht Zeit habe für sinnstiftendes Engagement außerhalb der Arbeit. Vielleicht ist Sinn nicht absolut und einzigartig und findet sich in der Balance von Arbeit und Familie? Klar ist: Es gibt keine einfache Antwort, aber allzu kompliziert muss es auch nicht sein.

In welcher Wertewelt lebst du?

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat unter dem Stichwort #Arbeiten4.0 einen seit Frühling 2015 währenden Dialogprozess gestartet, der sich dem Thema Arbeit im Wandel widmet und Ende 2016 seinen Abschluss findet wird. Eines der interessantesten Aktionen in diesem Rahmen ist die Studie „Wertewelten Arbeiten 4.0” , die 1200 Personen in Deutschland zu ihrer Vorstellung von guter Arbeit befragte.

Welche Wertewelt prägt dein Arbeitsleben? Was ist dein Idealbild der Arbeit? Mache den Arbeitstyp-Test!

Das Ergebnis ist die Kategorisierung von 7 verschiedene Arbeitstypen mit unterschiedlichen Erwartungshaltungen an Arbeit, da sie unterschiedliche Bedürfnisse haben. So finden sich unter den Befragten 10-15%, die Sinn außerhalb der Arbeit suchen (Wertewelt7). Für eine ebenso große Gruppe zählt nicht Sinn, sondern Leistung. (Wertewelt 4). Die größte Gruppe von 25-30% sieht Arbeit ausschließlich als Erwerbsarbeit, die ihnen ermöglicht sorgenfrei zu leben. (Wertewelt 1). Selbstverwirklichung durch Arbeit sehen nur 10% als Priorität an. (Weltewelt 5).

wertewelt5

Zur letztgenannter Gruppe zähle ich mich und mein Testergebnis ordnet mich in diese Wertehaltung ein. Mein Ergebnis des Arbeitstyp überraschte mich daher nicht, aber die Verteilung der Arbeitstypen in der Studie verblüffte mich. Wie kann es sein, dass Sinnfindung in Arbeit de facto bei so wenigen Arbeitnehmern eine Rolle zu spielen scheint, aber im Internet, von Life-Coachs und  auch in den Medien ständig über uns schalt „Finde deine Passion!” oder noch schlimmer „Lebe deine Leidenschaft!“?

Wenn Sinnsuche und Leidenschaftspflicht zur Qual werden

Ich bin der Überzeugung, dass das Bedürfnis nach Sinnsuche nicht durch das Finden endet, sondern Sinn ein immerwährender Prozess ist, indem wir selbst etwas Sinn und Bedeutung zuschreiben muss. Wer Sinn im außen sucht wird feststellen, dass er im schlimmsten Fall auf immerwährender Suche ist, aber nie zufrieden.

Genauso verhält es sich mit der Leidenschaft. In seinem Buch „So good they can’t ignore you” differenziert Cal Newport zwischen zwei Lebensvorstellungen: Das Passion-Mindset und das Craftsman-Mindest. Wer glaubt in seinem Leben eine Leidenschaft leben zu müssen, kreiert eine so ideale Vorstellung von Passion in seinem Kopf, das nichts was er tut dem je gerecht wird und unglücklich zurücklässt. Er plädiert dafür, dass wir eine Handwerker-Einstellung entwickeln. Dass wir egal was wir tun, unser Bestes geben, täglich daran arbeiten und weil mit der Zeit wir besser darin werden, wirkliche Freude und Leidenschaft in der Arbeit entwickeln können.

Arbeit zu lieben beginnt im Kopf

Ich habe zwei Jahre lang als Alltagsbegleitung im Altersheim gearbeitet. Ich bin Akademikerin, hochbegabt und jedem dem ich das in diesem Zeitraum auf die Frage: „Was machst du?”, geantwortet habe schaute mich mit ungläubigen und abschätzigen Augen an. Damit nahm das Gespräch sein Ende. Dass dieser JOB mir die Möglichkeit gab pro Woche mindestens ein Sachbuch zu lesen, nahm niemand zur Kenntnis. Dass ich nur 5 Minuten zur Arbeit brauchte und extremst viel freie Zeit zur Verfügung hatte auch nicht. Durch verständnisvolle Kolleginnen und eine zuvorkommende Chefin, war ich in der Lage jegliche Konferenzen, Fortbildungen oder auch Seminare und Abendveranstaltungen wahrzunehmen, die ich im Hinblick auf meine persönliche Entwicklung und privaten Verpflichtungen wahrnehmen wollte.

Sinn im Hinblick auf Selbstverwirklichung war fehl am Platze. Aber solange ich meine wöchentliche Arbeitszeit ableistete und meine Leistung erbrachte, ging es fair und gerecht zu. Die Arbeitstätigkeit war körperlich erschöpfend, die frühen Arbeitszeiten gewöhnungsbedürftig und auch manche Kollegen recht anstrengend. Ich war schon immer der Mensch, der sich gern ehrenamtlich engagiert. Aber dass mein Ehrenamt zur Erwerbsarbeit wurde, nahm der Aufgabe die Freiwilligkeit.

Denn Sinn der Arbeit und letztlich die Liebe zur Aufgabe, die mit meiner Stelle verbunden war musste ich mir tagtäglich neu vergegenwärtigen. Für mich war es, den alten Menschen ihren letzten Lebensabschnitt so gut wie möglich zu gestalten und meine eigenen Bedürfnisse zurückzunehmen. Anders wäre es auch gar nicht möglich gewesen.

Dein Bürojob – Was muss sein, was kann sein, was darf sein?

Die Arbeit im Servicesektor mag im Vergleich zu einer Tätigkeit im Büro anderen Regeln folgen, aber dass es Regeln gibt, mit denen man sich abzufinden hat, steht außer Frage. Aber wie sieht es mit gewissen Spielräumen aus, in denen man Tätigkeiten ausüben kann, die man gerne tut? Hilfreich ist es die Kämpfe mit bedacht zu wählen, die einen Mehrwert bringen. Anderseits auch Fünfe mal Gerade sein zu lassen.

Buchverlosung:

Du hast einen Bürojob und möchtest deine Arbeit wieder lieben können? Dazu verlose ich mein Rezensionsexemplar  „Ich liebe meinen Job!“ von Alexandra Götze. Interessant, um einen typischen Arbeitsalltag mit Distanz zu betrachten. Amüsant genug, um die eigenen Denkfallen zu ertappen und sich selbst zu hinterfragen. Schreibe mir dazu einen Kommentar, was für dich gute Arbeit ist und wie du zu der Sinnfrage im Arbeitsleben stehst. Unter allen Kommentaren wird der Gewinner am 30.November ausgelost.

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