31% aller Mitarbeiter in Deutschland haben innerlich gekündigt oder sabotieren bewusst ihren Arbeitgeber. Nicht vorhandene Motivation und fehlende Identifikation prägen das heutige Arbeitsleben, was besonders Führungskräften Kopfzerbrechen bereitet und vor einer besonderen Herausforderung stellt. In ihrem Erstlingswerk „Ich liebe meinen Job! — Dachte ich jedenfalls ...“ beschreibt Alexandra Götze auf amüsante und kreative Art die Perspektive der fiktiven Personalmanagerin Bea.

Über das Buch und die Autorin

Alexandra Götze arbeitete fast zwei Jahrzehnte im Personalbereich und ist inzwischen als Business Coach tätig. Für das Buch „Ich liebe meinen Job!“ sammelte sie Geschichten aus dem Büroalltag und formte sie zu einem Jobtagebuch aus der Innensicht der fiktiven Bea. Und das ist schon der Rahmen des Buches: Der Arbeitstag der Beatrice Maria Engel, der am Donnerstagmorgen — viel zu früh — um 5.15 Uhr beginnt und — mal wieder zu spät — um kurz nach 17 Uhr endlich endet. Dazwischen sinnfreie Meetings, wenig konstruktive Feedbackrunden, Schulungen, deren Nachhaltigkeit zu hinterfragen sein sollte und ähnliche kuriose Tätigkeiten für die wir bezahlt werden, aber der Produktivitätsgehalt in den Sternen steht.

Liebe zum Job ist eine Haltungsfrage

Der Autorin gelingt es sehr gut die pessimistischen Gedanken und Urteile über Kollegen und Arbeit zu karikieren und den Twist von problemorientierter Haltung zur lösungsorientierten aufzuzeigen. So erlebt der Leser mit dem Fortschreiten der Arbeitszeit das Hinterfragen Beas Vorurteile und ihren Reframingsprozess: Ihren Job aus einem anderen Licht zu betrachten. Etwas zu lieben ist eine Tätigkeit. Etwas überhaupt lieben zu können daher eine Haltungsfrage. Jeder Leser wird sich und Situationen, die wir erlebt haben, irgendwo in den Beschreibungen wiederfinden können.

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Das Ziel: Kritik der liebgewonnenen Opferhaltung

Gewidmet ist das Buch jedem Arbeitnehmer, der sich wieder selbst steuern will. Statt Selbststeuerung geht es im Buch aber wohl eher um Selbstregulierung der eigenen Emotionen. So ist die Moral aus der Geschichte, die man ziehen kann, dass man Nachsicht mit dem Chef, Verständnis für die Kollegen, und schließlich Akzeptanz für die manchmal ineffiziente Arbeitsatmosphäre haben soll. Das macht letztlich ja auch zufrieden, weil es die eigene Engstirnigkeit und Intoleranz abschwächt. Ob das als Problemlösung allerdings ausreicht?

Eigenverantwortung bedeutet nicht nur Verantwortung zu übernehmen, sondern setzt meines Erachtens auch voraus verantwortlich handeln zu können. Diesen Ansatz finde ich kaum in den Geschichten. Es geht sicherlich um die Verantwortung für die Zufriedenheit und wir sind alle für unsere intrinsische Motivation verantwortlich. Aber ein Job der Scheiße ist, wird scheiße bleiben, egal wie sehr ich versuche einen Regenbogenfarbigen Honigkuchen darin zu sehen. Mir fehlt der weitergehende Schritt zur Selbstwirksamkeit. Dieses Gefühl des: Ok, ich bin auch eigenverantwortlich für die Gestaltung meines Umfeldes zuständig.

Nun muss man fairerweise natürlich erwähnen, dass es letztendlich nur eine kurzweilige Unterhaltungslektüre ist, die den Anspruch hat zum Nachdenken und Reflektieren anzuregen. Dieses Ziel erfüllt sie voll und ganz. Durch stilistisch unterhaltsame Art und Weise, offenbart die Autorin Alexandra Götze durch Beas Innensicht auf ihren typischen Arbeitstag repräsentative Anekdoten, die jeder in der einen oder andern Form selber schon erlebt hat. Empfehlen würde ich das Buch aber lieber Männern, aber besonders Chefs und Führungskräfte aus dem mittleren Managementbereich, um sich der Lebenswirklichkeit ihrer Mitarbeiter wieder anzunähern.

Fazit

Ganz nettes fiktives Jobtagebuch über die Absurdität des alltäglichen Bürowahnsinns. Für diejenigen, die sich in der Thematik des selbstbestimmten Arbeitens auskennen enttäuschend. Aber sicherlich ideal für die Arbeitnehmer, die in der Wahrnehmung ihres Jobs festgefahren sind und ihre Motivation verloren haben. Das dicke Papier suggeriert mehr Inhalt, als es letztendlich ist, aber als kurzweilige Abendlektüre optimal

Eigenverantwortung mag sicherlich sein, die Verantwortung für seine Zufriedenheit zu tragen. Dieses Verständnis greift allerdings zu kurz. Eigenverantwortung heißt auch eigenverantwortlich zu handeln. Vielleicht bietet mein Einwand ja Material für eine Fortsetzung von Beas Einsichten, in der sie den zweiten Schritt tätigt. Nun hat sie zwar das Steuer in der Hand, aber sie müsste noch den Motor einschalten.

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