Ist Konformität immer schlecht? Muss man immer rebellieren? Wozu überhaupt sich an Konventionen halten? Ich bin der festen Überzeugung, dass wenn wir verstehen, was gewisse Begriffe bedeuten und wie sie unser eigenes Weltbild prägen es einfacher wird sich erfolgreich in der komplizierten Welt zurechtzufinden. Gerade deswegen, weil wir als soziales Wesen mit anderen zusammenleben müssen — und vielleicht ist das eine Lebensaufgabe. Lies im heutigen Teil, wie es mit den Gedanken über Norm und Konformität weitergeht. 

Lies zuvor den ersten Teil dieses Artikels: Über Norm und Konformität —Teil 1

Konformität und Etikette

Letztendlich haben doch aber jegliche Gesetze und Regeln einen Zweck: Das Gemeinschaftliche Leben zu sichern. Und schauen wir uns Etiketten und Gesetze an, geht es darum die Freiheiten des einzelnen zu schützen, sowohl der positiven Freiheit, also Dinge auszuüben, als auch negative Freiheit, geschützt zu sein von den Begrenzungen anderer. Und es versteht sich doch von selbst, das auch hier Freiheiten nicht absolut sein können.

Manche Menschen rebellieren gegen jegliche Norm und Konformität aus Prinzip. Einfach weil sie sich nicht anpassen wollen. So wird Individualität zum Selbstzweck, allerdings ohne Eigensinn. Mir scheint es sinnvoller zu hinterfragen, welchen Sinn denn eine Regel hat, also welchen Zweck sie verfolgt. Warum gibt es sie? Der grundsätzliche Zweck von Etiketten ist es, eine übergeordnete Verhaltensregel zu haben, auf die sich die meisten geeinigt haben, um keine Faux-Pas zu begehen also unwissentlich jemanden zu verletzen. Scheint mir nachvollziehbar. Etiketten ändern sich aber, wie wir aus den Änderungen des Knigge sehen können. Den Gesellschaft ist im Wandel. Heute stärker denn je.

Kulturelle Eigenheiten als bindende Norm

Was konform ist ändert sich mit der Zeit, aber nicht nur mit der Zeit, sondern auch mit dem jeweiligen Kulturkreis. Und ich meine nicht nur dem westlichen und asiatischen, sondern auch im Kleinen: Die regionalen Kulturkreise. Denken wir doch einfach mal an die Unterschiede zwischen der rheinischen, ostfriesischen oder bayrischen Mentalität.

Norm ist eben das, was von den meisten Menschen zur jeweiligen Zeit und in einer bestimmten räumlichen Begrenzung für normal und durchschnittlich gehalten wird.

Deswegen gibt es nicht nur eine Norm, sondern viele Normen. Ja, ganz schön kompliziert. Aber wer sagt schon, dass das Leben einfach ist. Wichtiger ist die Frage, ob es für den einzelnen schwierig sein muss. Können wir uns das Leben nicht einfacher machen?

Einsicht: Der individuelle Lebensweg in einer globalisierten Welt

Folgende Gedanken helfen dir deinen eigenen Lebensweg zu bestreiten:

  1. Es muss nicht immer Richtig und Falsch geben, lass das Schwarz-Weiß-Denken los.
  2. Norm ändert sich. Aber zu einem gewissen Zeitpunkt herrscht überall eine Vorstellung davon, was normal ist und daher Norm zu sein hat.
  3. Weltoffenheit ist nicht absolut. Du kannst in bestimmten Bereichen weltoffen sein und in manchen konservativer, wenn du nur weißt weswegen und welche deiner Überzeugung dahintersteckt.
  4. Jeder Mensch hat andere Erwartungshaltungen. Wenn es dir wert ist, wage das Gespräch. Du kannst dieser Person erläutern, warum du andere Lebensvorstellungen hast. Hoffe auf Verständnis, aber erwarte keine Akzeptanz.

Der Unterschied zwischen Akzeptanz und Toleranz

Ich denke, den meisten Menschen ist der Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen nicht bewusst und sie werden im allgemeinen Sprachgebrauch gleichbedeutend genutzt. Ich bin allerdings der Überzeugung, dass eine differenzierte Betrachtung der beiden Begriffe helfen kann, mit anderen Menschen bessser umzugehen.

Akzeptanz ist ein sehr starkes Wort und von Freunden und Familien wünsche wohl nicht nur ich mir, dass man mit seinem ganzen Sein — einschließlich Fehler und Makel — geliebt und akzeptiert wird. Toleranz hat eine schwächere Konnotation und bedeutet nur Duldung. Ich muss nicht jeden Menschen akzeptieren und habe mich damit abgefunden, dass ich nicht die Akzeptanz jedes Menschen brauche. Für Akzeptanz muss man nämlich oft kämpfen und Energie aufwenden, manchmal reicht es, wenn man duldet und geduldet wird und es einfach nicht an den Energiereserven zehrt. 

Toleranz ist, Menschen, die meine Meinung nicht teilen, weil sie von einem anderen Weltbild ausgehen und daher anderes für Wahr halten zu ertragen, solange sie die eigene Weltsicht nicht störem oder begrenzen.

Wie oft haben wir Unstimmigkeiten mit Freunden und man ist einfach anderer Meinung? Und doch — solange wir uns die Köpfe nicht einschlagen — können wir und unsere Meinungen nebeneinander existieren? Religionen, solange sie sich nicht als die Einzig-Wahre ansehen, können eben doch nebeneinander friedlich existieren. Wieso denn auch nicht?

Rebellion und Querulantentum

Der Clou liegt wohl im Wort „Einzig-Wahre”. Jegliche Ideologien und –ismen, sind per se intolerant gegegenüber alles anderem. Einfach deswegen, weil sie absolut sind. das gilt für Faschismus, Nationalismus, Islamismus u.Ä. Ich ziehe die Grenze meiner Toleranz bei der Intoleranz und lebe nach dem Credo:

Intoleranz der Intoleranz.

Dem liegt allerdings der gesellschaftliche Gedanke zu Grunde, dass Vielfalt in einer globalisierten Welt als wünschenswert angesehen wird und das Vielfältigkeit nur dann existieren kann, wenn alles vielfältige untereinander kompatibel ist und mindestens Co-existieren kann. Des Co-Existenz Feind ist die Intoleranz. Wer in einer offenen Gesellschaft leben möchte, der ist dazu verpflichtet im Rahmen seiner Möglichkeiten die Intoleranz zu bekämpfen. Das ist ein politischer Ausruf und richtet sich an die politischen Menschen, die an die Selbstgestaltung der Welt glauben. Norm ändert sich nur dann, wenn die Mehrheit der Menschen ihre Meinung ändert. Rebellion ist wenn gegen die herschende Meinung eine Bewebung entsteht.

Sonderform der Individualethik

Der aufmerksame Leser mag erkannt haben, dass ich mich gegen den Absolutismus und gegen Ideologien wende. Wie kann denn so eine allgemeine Ethik existieren? Gar nicht. Ich bin Befürworterin einer Individualethik und bin der Auffassung, dass es keine übergeordneten Werte in unserer Welt gibt, sondern dass jedes Dilemma individuell nach zeitlicher, räumlicher, als auch anderen betroffenen Faktoren abgewägt werden muss. Ich kann mit Pauschalisierungen und allgemein-formuliertem Rat nichts anfangen. Kannst du es? Wir wissen doch alle: Ausnahmen bestätigen die Regel. 

Wir sollten statt blind Regeln und Ideologien zu folgen manchmal unseren Kopf einschalten, um zu erkennen, dass es besser ist den eigenen Weg zu gehen. Statt aus Prinzip Revoluzzer zu spielen, kann es durchaus sinnig sein die eigene Anti-Haltung zu hinterfragen. Viele Regeln und Konformitäten sind historisch erwachsen, machmal kann es helfen zu verstehen, um den Sinn dahinter nachvollziehen zu können — es könnte besänftigen. Und manchmal, ja manchmal, da müssen wir den Mund aufmachen, weil es sonst keiner tut, weil wir es können oder weil es eben das Richtige ist — für einen selbst, weil man weiß, dass es nicht nur einem selber helfen könnte, sondern auch anderen. 

Der dritte und letzte Teil dieser Blog-Serie folgt am Donnerstag. Wann bist du bereit für deine Überzeugungen zu revoltieren und wann lässt du Fünfe auch mal Grade sein? Teile deine Gedanken mit mir. Ich freue mich über deinen Kommentar!

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