Nun ist schon der 5.Tag, den ich erfolgreich bei #29daysofblogging bestreite. Ich habe endlich so etwas wie eine Blog-Planung — ungefähr. Und es geht erfolgreich voran! Erstaunlicherweise habe ich es sogar geschafft gleichzeitig einen neuen Artikel für lebensdurstig.de zu schreiben.

Allerdings bringt das auch so einige Tücken mit sich. Gestern habe ich zur Reflexion des eigenen Lebens aufgerufen. Ich musste selbstkritisch feststellen, dass wenn ich es genau nehme, bereits selber bei der Beantwortung der ersten drei Fragen scheitere. Wo möchte ich persönlich hin? Ich habe versucht, es kleinschrittig anzugehen: Wo möchte ich Ende 2016 stehen? Was erwarte ich von 2016?

366 Dailyinspiration im Jahr

Die Dailyinspiration, die ich auf meinen diversen social Media Kanälen spreade, führt mir heute besonders vor Augen, wie schnell die Zeit vergeht. (Gerne darfst du mir folgen! Die entsprechenden Accounts findest du ganz unten auf meiner Seite im Footer. Einfach auf den entsprechenden Icon klicken)  Heute, am Tag Nummer 36 von 366, stelle ich fest: Mir gehen die sinnvollen Zitate und inspirierenden Sprüche aus. Ich habe die Sorge, dass mir irgendwann die Luft ausgeht. Klar, es gibt genügend Zitate und Sprüche, aber die gilt es vorzubereiten und irgendwie hab ich ja eine Anspruchshaltung. Nun plane ich 30 Tage im voraus, aber das muss ich dann ja trotzdem nun weitere 11-mal machen. Erneut der Aufwand. Aufs Neue immerzu.

Wenn man es genau nimmt, sind es nur blöde Sätze von meist schon verstorbenen Personen und kitschige Motivationsbilder. Für mich ein Sinnbild Stellvertetend für meine Verpflichtungen, die ich mit mir herumschleppe und erst einmal weiterhin mit mir zu schleppen habe. Und davon habe ich einige. Die Verpflichtungen beeinflussen, wo ich Ende 2016 stehen werde. Dadurch, dass ich mit weniger Verpflichtung in anderen Zielen weiter vorankommen könnte.

Einer meiner — bis jetzt — unausgesprochenen Wünsche ist, meiner heimischen und bekannten Welt für 1-2 Jahren den Rücken zu kehren und zu sagen: „Tschö, heile Welt, ich geh mal nach Afrika , um Menschen zu helfen.” Warum tu ich es nicht? Weil ich das Gefühl habe, derzeit an die hiesige Welt gekettet zu sein. Dadurch, dass alle Projekte und Vorhaben, die ich bis dato realisiert und weiterhin anstrebe nicht direkt nacheinander, sondern ineinander übergehend folgen.

Wenn ich den Mut hätte Dinge eher zu beenden — oder einfach nur anders?

Wenn ich es auf einen einfachen Satz bringen müsste, wäre meine Erwartung für 2016: Mehr Energie in relevante Projekte investieren, die zielführend sind, aber gleichzeitig glückliche, erfüllende Momente zu erleben.

Es scheint mir der klassische Zwiespalt zwischen Produktivität und Erfüllung im Leben zu sein. Kann man beides gleichzeitig haben? Ich will zumindest beides.

Anna von annanikabu.com hat bei Facebook gefragt, was unser Lebensmotto wäre. Ich hatte keine sofortige Antwort parat. Da es sich immer wieder ändert, dachte ich. Könnte das sein? Und dann fiel es mir wie Schuppen... ach, du weißt, wie das Sprichwort weiter geht. Egal, mein Lebensmotto seit fast 8 Jahren ist jedenfalls:

„Wer nach Großem strebt, wird Großes erreichen“.

— Mein Lebensmotto

Meine Mom hat mir eine Geburtstagskarte mit diesem motivierenden und etwas größenwahnsinnigen Spruch geschenkt, aber seitdem begleitet sie mich. Wie konnte ich es vergessen? Auch vergessen habe ich, dass ich bei Marius Kursawe und Robert Kötter von Work-Life Romance vor ca. 6 Wochen eine Übung gemacht habe, in der man sein Leben in einem Satz beschreiben sollte. Den Satz als Nachlass, der das eigene Leben komprimiert zusammenfasst.

Sie glaubte an die Gestaltung ihrer (Um)Welt und bewegte ganze (Gedanken)Welten.

— Mein Lebenssatz

Ich hatte es einfach vergessen. Ich hatte es nicht mehr im Blick, weil mein Theme für dieses Jahr „Mein künstlerisches Jahr“ sein sollte. Ironischerweise würde ich gerne mehr künstlerische Werke schaffen, hab es aber bisher in ein zwölftel des Jahres nicht einmal gemacht. Und es ist so als ob das, wohin ich will und das, was ich aber heute machen möchte, nicht in Einklang stehen. Unverbunden nebeneinander existieren.

Verbundenheit durch Prioritätensetzung

Verbindung als eine Kette, das ist die Lösung, die Gary Keller in seinem Buch ”The One Thing“ anbietet. Ein ziemlich gutes Buch, was ich vor einigen Monaten las und lebensverändernde Einsichten bringt. Eher bringen kann, wenn man die Lösungsansätze in das Leben adaptiert. Gary Keller erläutert, dass man Entscheidungen und Handlungen wie Dominosteine nacheinander aufbauen soll, sodass Stein auf Stein folgt. Man soll am Anfang das Ende im Blick haben und sich überlegen, wie man mit den wenigstens Steinen, also Handlungen, aber gleichzeitig mit dem größtem Effekt, sein Ziel, den letzten großen Dominiostein, umhaut. Er reduziert alles auf die entscheidende Frage: „Was ist die eine einzige Sache, die du machen kannst, dass alles andere unwichtiger oder einfacher wird“

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Im Umkehrschluss heißt der Satz eigentlich: Mache bloß nicht das, was nichts bringt und in wenigen Monaten schon vergessen ist und mache bloß nicht das, was deine künftige Arbeit nicht erleichtert und vereinfacht. Für mich war dieses Buch eine riesige Erkenntnis, dass wir Menschen in der heutigen Welt voller unzähligen Möglichkeiten durchaus priorisieren könnten, wenn wir in der Lage wären Dinge längerfristig zu betrachten. Tun aber die wenigstens. Tu ich ja auch nicht. Bisher.

Und ich resümiere erneut:

  • Ich sitze zu viel bei Terminen und Sitzungen, die nicht zielführend sind
  • Ich beschäftige mich zuviel mit Kleinkram, der keinen bis wenig Effekt hat

Weil ich glaubte zu wissen, wohin ich will, aber es nicht mal im Ansatz wirklich visualisieren kann. Konnte? Ok, ich kann’s immer noch nicht. Aber es wird konkreter. Ich werd üben.

Ziel oder Weg? Das ist hier die Frage

Kennst du noch Wile E. Coyote bei Road Runner? Während Road Runner über eine tiefe Schlucht schnell hinwegrennt, versucht der Kojote hinterher zu laufen und stellt dann irgendwann fest, dass er keinen Boden unter den Füßen hat und fällt runter. Philosophisch interessant, wenn man sich fragt, ob er runterfällt, weil er erst runterschaute? Bedeutet das, dass man, um sein Ziel zu erreichen, lieber wie Road Runner schnurstracks seinen Weg gehen soll ohne nach links und rechts zu schauen?

Ich war wie Road Runner und kann für mich entschieden behaupten: Das macht mich nicht glücklich. Ich hab mich fast 3 Jahr in der Studierendenvertretung meiner Uni engagiert und wenn ich heute zurückdenke, erinnere ich mich an sehr wenig. Es ist nicht so, dass ich nichts getan hätte. Im Gegenteil, ich war ein Arbeitstier. Aber als AStA-Vorsitzende hatte ich einfach so viel Kleinkram am Hut, dass ich oft nur reagierte und oft auch den Blick fürs große Ganze verlor. Im Nachhinein hätte ich mich gerne mehr um die großen Steine gekümmert. Als ständig nur viele kleine Dominosteine umzuhauen.

Letztlich habe ich diese Einsicht und Erkenntnis, dass diese Lebensweise nichts für mich ist, erst durch die vergangene Erfahrung gewinnen können. Daher bereue ich diese Erfahrung auch nicht

Ich stecke zwischen dem Wunsch, was Nachhaltiges zu schaffen und dem Ziel schnell voran zukommen.

Am liebsten würde ich wie Road Runner schnell über die Abkürzung vorankommen, aber eher indem ich den Weg unter mir erschaffe und kreiere. Eine Brücke bauend.

Was zeichnet erfolgreiche Menschen aus?

Schaut man sich die meisten erfolgreichen Menschen auf der Welt an, so stellt man fest, dass sie eines gemeinsam haben: Sie lernen und werden dadurch besser. Sie lernen, indem sie Wissen verstehen. Informationen zu verstehen kostet Zeit, aber nicht nur Zeit, sondern auch Verständnis. Fürs Lernen muss man sich den Raum schaffen, das Verstandene zu integrieren und zu adaptieren.

Es ist ein Punkt, den so viele unterschätzen. Wir Lesen Buch auf Buch. Schauen News auf News. Besuchen Event nach Event. Halten Gespräch auf Gespräch. Wozu? Was ist der Sinn und Zweck davon? Um das herauszufiltern, was uns nützlich ist, braucht man Zeit zur Reflexion. Die wenigstens nehmen sich die Zeit. Ich nahm sie mir nicht.

Und das ist der Grund, wieso ich so vieles vergaß. Und Auslöser ist wahrscheinlich, dass die Projekte ineinander laufen und ich lieber Projekte schnell abschließe, statt ordentlich zu beenden. Um infolgedessen ui begreifen. Zu Lernen, es beim nächsten Mal besser zu machen oder auch schneller?

Will ich wirklich so bald nach Afrika? Nein. Dahinter steckt wohl eher der Wunsch, dass ich ein neues und großes Projekt angehen möchte, frei von Ballast und mal was ordentlich und ausführlich machen möchte. Und dieses Projekt das gibt es bereits. Das habe ich vor Augen — unscharf, aber es existiert. Mein Projekt ist lebensdurstig. Nicht der Blog. Die Firma, die ich gründen möchte. Ausführlicher habe ich es in meiner Vision für lebensdurstig erläutert. Und die erforderlichen ersten Schritten, um dorthin zu gelangen.

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Meine Erwartungen für 2016 — konkret und auf den Punkt gebracht:

  • Mindestens 75% meiner Zeit ab September freischaufeln und die Pläne eine gemeinnützige Firma zu gründen realisieren.
    Kurz: In 2016 endlich gründen, mindestens auf Papier.
  • Bis dahin mein Studium beenden: Abschließen oder abbrechen. Long Story. Erzähl ich ein andermal detaillierter.
  • Meinen Trainerschein machen, damit ich bessere Workshops und Seminare halten kann und auch darf.

Und dann gibt es noch drei Mini-Projekte, die ich nicht nicht machen möchte:

  • Ich bin Vorsitzende der Arbeitgemeinschaft für Bildung (AfB) der SPD Düsseldorf. Als Vorsitzende liegt der Fokus 2016: Sinnvoll regelmäßig Sitzungen abhalten, die gut beworben und längerfristig sehr nützlich sind.
  • Es gibt seit einiger Zeit die Initiative Plastiktüten verhüten Ich finde das Ziel, dass Düsseldorf eine plastiktütenfreie Stadt wird total super und unterstützenswert. Ich möchte, im begrenzten, aber umso effektiveren Rahmen, dazu beitragen, dass dieses Ziel erreicht wird. Ich möchte in 2016 meinen Stadtteil Bilk plastiktütenfrei bekommen.
  • Mit einer Scanner-Kollegin habe ich im Herbst 2015 den Scanner-Treffpunkt-NRW gegründet, um zweimonatliche Scanner-Themenabende zu organisieren. Ziel ist es bis Ende des Jahres die Initiative soweit aufzubauen, dass sie automatisiert und ohne viel Aufwand zuverlässig und gut stattfindet.
Wenn ich in 11 Monaten zurückschaue, möchte mich erinnern. Ich möchte mich erinnern, sinnvolles und wichtiges getan zu haben. Das möchte ich wiederum ins das jahr 2017 tragen.

Dieser Beitrag ist enstanden durch den Blogparadenaufruf von Helmut Achats auf vorunruhestand. Eigentlich ist die Blogparadenteilnahmefrist schon abgelaufen. Ich hab mich nun einfach dazugemogelt. Auch ist der Beitrag 30 Lebensfragen dafür verantwortlich, sich mit meinem eigenen Leben näher zu beschäftigen. Mir ist wichtig: Nichts predigen, was ich nicht auch lebe. Der Artikel war mir wirklich eine Lehre.