Damit meine ich, ob ich ehrlich, direkt und naiv, aber auch wagemutig sein darf. Darf ich blind meinem Bauch vertrauen und entschlossen meinem Herzen folgen? Darf ich neue, unerforschte Wege bestreiten, manchmal Neues entdeckend, aber oft auch gegen die starre Wand laufend und feststellend, dass es anders wohl besser oder überhaupt geklappt hätte. Ich frage mich, ob ich mich zeigen darf.

Diese Fragen stellte ich mir sehr oft. Ich frug mich auch, ob ich ohne Hemmungen meinen Facettenreichtum offenbaren darf, meine vielfältigen Interessen, meine kostbaren Gedanken.

Urteile als Beurteilungen und Vorurteile.

Ich habe Angst. Ich habe Angst davor bewertet, bemessen und in vorgefertigte enge Schubladen gesteckt zu werden. Mit starren, steifen, festgeschriebenen Etiketten. Wobei es eigentlich egal ist, wenn es fremde Menschen tun, es wird erst dann relevant, wenn mich Menschen in meiner unmittelbaren Umgebung verurteilen. Für meine Meinung, meinen Standpunkt, meine freien Gedanken - Querdenker-Gedanken. Und aufgrund der Angst versteckte ich mich bisher viel zu lange in der Anonymität. Aber vielleicht zurecht? Denn wer ehrlich und offen ist, der macht sich auch verletzbar, weil er sich Dinge zu Herzen nimmt, die ihm wichtig sind. Und wichtige Dinge sollten kostbar und schützenswert auch sein. Mir sind viele Dinge wichtig. Mir ist meine Welt wichtig — unsere.

Das heutige Zeitalter des Internets enthüllt ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist es einfacher seine persönlichsten Gedanken einer großen Masse kundzutun, andererseits ist es auch für andere umso einfacher unbedarft und verständnislos ruppig darauf zu reagieren.

Ein Bild, das wir malen. Das Image der Vollkommenheit

Und man müsste dieses ehrliche und authentische Bild nicht schützen, wenn die Menschen ehrlicher zu sich selbst wären. Wir alle geben uns besser als wir sind, sind zu Zeiten Blender oder Hochstapler. Wir rücken uns ins bessere Licht, um Dinge zu verkaufen, um kompetent zu wirken, um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Bei Zeiten. Manche Menschen sehen dies als probates Mittel der dauerhaften Selbstdarstellung. Aber wie es das Wort schon sagt, es ist eine Selbstdarstellung. Ich finde Menschen — ob nun Chefs, Coachs, Blogger oder Ähnliches, die keine Makel offenbaren merkwürdig. Wir wissen doch alle, dass niemand perfekt ist. Ich kaufe ihnen ihr falsches einseitiges Bild nicht ab, und unbewusst merkt jeder Mensch, wenn jemand nur ein Image der Vollkommenheit zeigt, aber in Wahrheit hinter seinen verschlossenen Türen dieses nicht wirklich lebt.

Und oft sind es doch genau diese Menschen, die sich selbst nicht erlauben authentisch zu sein, es anderen am liebsten auch verbieten würden. Maskierte Menschen, die ein Image leben, gönnen den Ehrlichen ihre Selbstsicherheit nicht. Sie dulden ihr authentisches und darum wichtiges und kostbares Sein nicht.

Das Bild der Perfektion verwehrt den Blick zur Reflektion

Wer perfekt ist, oder zumindest so wirkt, oder sagen wir sich-selbst-darstellt darf keine Makel zeigen. Das Fehlen von Fehlern führt aber zur Stagnation. Wer Fehler nicht einräumt, nicht sieht und reflektiert kann sich nicht entwickeln. Würden wir Fehler als notwendige Schritte zum Erfolg sehen, als ein ganz natürliches Zwischenergebnis zum Endergebnis, wären viele Menschen wohl erfolgreicher ihr Vorhaben zu realisieren. Würden Fehler nicht als Versagen empfunden werden, könnte man enthusiastischer diese beim nächsten Anlauf überwinden. Aber wer perfekt ist, der macht keine Fehler. Denn Fehler machen darf man nicht. Deswegen muss man perfekt sein. Bullshit!

Norm, oder das, was man als normal postuliert.

Die ganze Diskussion, darüber was Norm und normal ist, woran sich der Perfektionismus orientiert, den spar ich mir jetzt mal. Aber authentisch sein ist in einer Welt nicht möglich, in der vermeintlich gesellschaftliche Erwartungshaltungen darüber herrschen, wie man zu sein hat. Ich wünsche mir eine Welt in der wir uns nicht fragen müssen, wie man sein darf, sondern in sich hört und sich ehrlich ausdrückt. Weil letztlich jede Art zu Sein einen Mehrwert in der Vielseitigkeit unserer gemeinsamen Welt birgt. (Unter Vorbehalt dessen, dass wir dabei niemanden verletzen.)

Sein oder nicht Sein?

Ich stelle mir diese Fragen, weil ich auf meinen Blog lebensdurstig.de feststellen musste, dass ich dort nicht aus dem Herzen schreiben kann, weil zu viele ungeklärte Fragen in mir Selbst ruhen. Ich weiß vielleicht mehr über Selbsterkenntnis und Selbstmanagementmethoden als der Durchschnitt, bin jedoch nicht der Auffassung, dass dies Universal-Utensilien sind, die auf jeden passen. Man muss fremde Informationen Hinterfragen und kritisch adaptieren. Ich kann nicht mit 100%iger Gewissheit sagen, wie man als vielbegabter Mensch glücklich und zufrieden lebt. Ich weiß nur, dass die Antwort nicht in fremden Blogs liegen kann.

Ich halte viel davon, dass man Impulse bekommt, kleine Informationsfetzen in Erfahrungen oder Worte gepackt, welche die Perspektive erweitern, weil man auch von anderen viel lernen kann. Aber die Antworten muss man sich selber geben. Weltenbewegerin ist daher ein Zwischenschritt zu lebensdurstig, in dem ich den Prozess meiner Erfahrungen zu meinen Erkenntnissen festhalte. Denn hinter jeder Meinung steckt ein Weltbild. Hinter jedem Weltbild Annahmen über die Welt. Du kannst sie für Wahr halten oder für Falsch, oder als Rückmeldung sehen, die letztlich eine Perspektive auf unsere Welt zeigen, die auf Erfahrungen und Sichtweisen beruht, die ich hier mit dir teilen möchte.

Wie viel Privates darf ein Blog enthalten?

Was darf man als Blogger schreiben und was nicht? Für einen persönlichen Blog müsste es doch recht irrelevant sein sich überhaupt zu fragen, was andere lesen wollen und was nicht, oder? Frage ist dann doch eher, wie erreiche ich diejenigen, die meine Artikel gerne lesen wollen? Und wenn ich doch auf der Suche nach Gleichgesinnten bin, dann kann ich diese doch nur erreichen, indem ich mich zeige. Sodass wir Gleichgesinnten uns erkennen. Deswegen habe ich die schwierige Entscheidung getroffen, offen und mutig mich im Netz zu zeigen. Voller Emotionen, visionärer Gedanken und kritischen Hinterfragungen. Auch wenn mich dieser Artikel sehr viel Energie und Überwindung kostet.

Mutig ist es Angst zu haben, aber es trotzdem zu tun!

Das Bild, das ich als Weltenbewegerin vermitteln möchte, ist das eines kritischen Menschen im Prozess. Ich möchte, dass mich die Menschen begleiten, die ähnlich denken. Dass diejenigen, die im Erkenntnisgewinn weiter sind, mich fordern und durch ihre Rückmeldung weiterführen und dass ich die inspiriere, die sich noch trauen müssen ihren authentischen und ehrlichen Weg zu gehen.

In den Medien und im Alltag ist das Bild der erfolgreichen Menschen, dass ihnen das Glück in den Schoß gefallen sei. Wir sehen letztlich nur das Resultat, aber nicht den Aufwand oder das Straucheln dieser Menschen auf dem Weg dorthin. Es lebt eine Vorstellung von Glück oder Zufriedenheit in unseren Köpfen, welche die vollkommene Abwesenheit von schlechten Zeiten oder gar Unglück ausmalt. Aber kann das sein? Glück ist eben auch das Überwinden und Überleben von harten Zeiten. Und manchmal braucht es eben ein wenig Energie und Mut, sich diesen zu stellen.

Und wenn ich frage, ob ich authentisch sein darf, so gibt es Niemanden, der mir das verwehren kann — außer ich selbst.

Und wie es im Leben keine Zufälle gibt. Eine Weisheit, auf die ich irgendwann in den kommenden Artikeln, die euch hier erwarten, eingehen werde ... habe ich natürlich eine tolle Blogparade zu diesem Thema per Zufall entdeckt. Und wer das Thema spannend fand, darf sich auf Unruhewerk weitere Beiträge zum Thema Privates/persönliches Bloggen durchlesen. Die Einladung von Maria findest du hier!